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Archiv Material

Saxophone Joe auf der Musikstrecke Berlin - Prag

Alle Musiker aufzuzählen, mit denen Joe Kučera, "Saxophone Joe", zusammen spielte, würde den Rahmen sprengen. Damals im Prag der 60er, Karel Gott war noch jung und unbekannt, traten beide in den Jazzclubs auf. "Aber dann entschied Karel es sich etwa 1966 anders", erzählt Joe. Ihre Wege trennten sich. Er begann seine Schlagerkarriere. Saxophonist und Jazzflötist Joe Kučera spielte bei Framus (5) & Michal Prokop und den Pop Messengers um Karel Černoch mit. Doch sein Name wurde auf den gemeinsamen Alben nicht erwähnt, weil er nach dem Prager Frühling die ČSSR Richtung Westen verließ und so zur Unperson mutierte. Noch 1969 fanden die letzten großen Auftritte statt. Aber kritische Stimmen hatten es schwer.
In Westberlin angekommen, ging es gleich musikalisch weiter: Als künstlerischer Leiter des Festivals "Jazz Meeting Berlin" und mit einem Engagement beim Musical Hair. In England folgten Auftritte mit Alexis Corner und Jesse Ballard. Schließlich war da noch das gemeinsame Konzert 1988 im Berliner Quasimodo mit dem berühmten, mittlerweile verstorbenen polnischen Rockmusiker Czesław Niemen.
Dann begann  das tschechisch-amerikanische Projekt: "In der Musikszene um die Bleibtreustraße traf ich 1974 auf John Vaughan". Schon bald entstand das erste gemeinsame Album "Somewhere in Europe". Es folgten weitere Alben und gemeinsame Tourneen mit dem ebenfalls in Berlin lebenden Amerikaner (voc, git). "Und wir sind immer noch am Leben, haben gerade eine neue Platte auf den Markt gebracht und sind fit und voller guter Laune," scherzt John Vaughan: "Rhapsody from Sixth Avenue" - ein sehr melodisches Folkrockalbum, das Aufbruchstimmung vermittelt. Seit der Wende touren sie, oft als tschechisch-amerikanisches Duo, durch die Prager Clubs. "Es gibt in Prag eine große amerikanische Community wie in Berlin," erzählt Joe. "Dort fehlt jedoch eine typische Folkrockszene, es dominiert mehr eine Jazzszene." Es hat sich aber eine interessante junge Clubszene entwickelt. "Wir haben viel vor mit Prag. Seit Jahren arbeiten wir daran, etwas zwischen Berlin und Prag auf die Beine zu stellen. Es gibt immer wieder neue Projekte." Für Oktober ist ein Bluesfestival in Berlin und Prag in Vorbereitung.
"Es ist ein bisschen schwieriger geworden. Ich bin heute nicht mehr so bekannt wie früher." Schrittweise baut er sich wieder seine Stellung als Musiker in Tschechien aus. Zu nennen wären die Auftritte mit der berühmten tschechischen Sängerin Marta Kubišová oder der tschechischen Band Oswald Schneider und wieder auch mit Michal Prokop.
Text: Volker Voss


NoRMAhL aus Winnenden
Eine deutsche Punkgeschichte mit Blut, Schweiß und Tränen

NoRMAhL stehen seit über 30 Jahren auf der Bühne und haben noch viel vor. Auf einer Pressekonferenz im Hardrock Café Berlin stellten sie kürzlich ihren ersten Film vor, den sie in Eigenregie gedreht haben und ihre erste künstlerische Produktion ist: "Pass bloß auf, Jonger - Musik und Film von und mit NoRMAhL" (DVD plus Soundtrack-CD). Das alles ist schon etwas ungewöhnlich: Punker im Film! Und dann noch das: Sie haben nicht mal grüne Haare und Nietenklamotten an - was wohl einige erwartet haben. Die Jungs aus Winnenden bei Stuttgart, mittlerweile um die 50, winken schmunzelnd ab: "Es kommt nicht auf das Aussehen an, sondern auf die Musik." Ihrem Musikstil sind sie treu geblieben und nicht mal ansatzweise in den Mainstream abgedriftet. "Punk ist keine Religion, auf die Inhalte kommt es an", ist ihre ungebrochene Lebensphilosophie. Das eine Punkrockband so lange durchhält, ist durchaus ungewöhnlich. Zumal sie auch noch aus so einem kleinen Ort wie Winnenden kommen, der doch "Hort des stillen Friedens" genannt wird.
Sie präsentieren einen Film, bei dem es um die Entstehung des Punk in Deutschland geht, mit persönlichen Szenen aus ihrem Leben, ihren Höhen und Tiefen, tollen Konzerausschnitten. Und dann kam die erste LP raus. Nun waren sie nicht mehr nur eine Dorfband, sondern gingen auf Tournee durch Deutschland, in die Großstädte und die umliegenden deutschsprachigen Länder und darüber hinaus. Plötzlich waren sie wer. Vor allem gibt der Film einen Einblick in das Leben der schwäbischen Jugend und wie man dort Punkrocker wird - alles mit passender Musik untermalt. Das heißt aber nicht, dass sie jetzt in die Filmbranche umgestiegen sind. "Unser Geschäft ist es, Musik zu machen", stellen sie klar.
In Prag und Budapest sind sie aufgetreten. Wobei der Auftritt in Ungarn 1983, lange vor der Wende, einige Überraschungen zutage brachte. Zunächst in dem Glauben, dort in einem kleinen Club zu spielen, wurde ihnen vor Ort mitgeteilt, dass ein Konzert in einer Halle mit 3000 Leuten vorgesehen ist. "Vor so vielen Menschen hatten wir vorher noch nie gespielt." Dann während des Konzerts fing das Publikum plötzlich an, die Texte auf Deutsch mitzusingen. Danach erfuhren sie, dass es sich in der damaligen DDR raumgesprochen hatte, dass eine westdeutsche Punkband in Budapest auftritt. Also haben sich viele Ostdeutsche nach Ungarn aufgemacht. "Ungarn war ja nicht so ein Land mit einem richtigen Eisernen Vorhang", erinnern sie sich. "Damit haben wir früher vor DDR-Bürgern gespielt als Udo Lindenberg," scherzen sie.
"Es macht Spaß, sich den Film anzugucken", versprechen sie. Es wird ein Eindruck darüber vermittelt, was es bedeutet, Punk in einem Dorf zu sein, wo alles doch ein bisschen anders tickt, als in der Großstadt. Ganz allgemein: "Wir sind nicht die älteste Szeneband, sonst hätten wir ja den Punk erfunden. Aber wir sind die älteste noch existierende Punkrockband."
Wie sie selbst den Punk sehen und warum sie ihm nach über 30 Jahren noch immer treu geblieben sind: "Punkrock ist Blut, Schweiß und Tränen" oder einfach: "Hurra" "Dieses Punksein darf man einfach nicht verlieren. Man kann das in seinem normalen Leben unheimlich nutzen, wenn man ein bisschen frei bleibt im Kopf."
Sie waren nie eine unpolitische Band. In den Texten geht es unter anderem um Rassismus, Ausländerhass und gegen Nazis. Die Politik in Deutschland haben sie immer kritisch begleitet. Nach wie vor spielen sie etwa 30 bis 40 Gigs im Jahr. Es steht noch viel auf dem Programm. Sie wollen auch in den USA und Osteuropa auftreten. Das nächste Album gibt es etwa in ein bis zwei Jahren. www.normahl.de

Volker Voss


Die Roten Gitarren aus Polen
in der dritten Generation - Keine Atempause


Es war zwischen 11.00 Uhr und 14.30 Uhr, als sich am 3. Januar 1965 im "Cafe Crystal" im Danziger Bezirk Wrzeszcz fünf junge Musiker trafen und die Band Czerwone Gitary (Rote Gitarren) gründeten. Unter dem Titel: "Wir spielen und schreien am lautesten in Polen" begannen sie ihre musikalische Karriere. "Schreien" kam jedoch nicht durch die Zensur und wurde durch "singen" ersetzt. Die polnischen Medien reagierten zunächst gleichgültig auf solche "Modeerscheinungen, die wohl bald vergehen würden", erzählte Mitbegründer und Drummer, Manager und Leader der Band, Jerzy Skrzypczyk, rückblickend. Doch die Popularität dieser neuen Musikrichtung war mit dem Welterfolg der Beatles nicht mehr zu stoppen. Der Beat hatte nun auch in Polen Fuß gefasst, und es waren die Roten Gitarren (nach ihren rotfarbenen Gitarren benannt), die als die polnischen Beatles gefeiert wurden. Die ganze Struktur der Gruppe war mit der der Band aus Liverpool durchaus vergleichbar: ähnliche Kleidung, vergleichbare Persönlichkeiten der Musiker, der Musikstil, eigene Songs, und wie bei den Beatles hauptsächlich von einem Komponisten-Duett (Lennon/McCartney - Krajewski/Klenczon) geschrieben. Die Polen reagierten auf die Roten Gitarren ähnlich wie die Briten auf die Beatles. Weibliche Fans fielen bei den Konzerten vor Begeisterung regelmäßig in Ohnmacht. Ebenso nahmen die heftigen emotionalen Ausbrüche dort unkontrollierbare Formen an: "Wir mussten die Türen unserer Umkleidekabinen vor weiblichen Fans verbarrikadieren", berichtet Jerzy Skrzypczyk. Dann waren da noch die vielen hinterlassenen Sachen wie Damenbekleidung - und nicht unbedingt nur Oberbekleidung.
"Ihre Musik hatte den richtigen Schwung. Man konnte leicht mitsingen, tanzen und fröhlich sein", beschreiben sie ihre Fans. Es sind Songs mit einfachen Melodien, mit Beat, polnischer Folklore und einem Schuss Romantik. Und sie sind sich treu geblieben, haben ihren Musikstil beibehalten. Nostalgisch geht es heute auf den Konzerten zu, auf denen etwa 85 Prozent der Songs aus dem alten Repertoire stammen.
Schwerer als ihre Kollegen in England hatten es die Roten Gitarren allemal. Anfangs konnten Jerzy Skrzypczyk und Serweryn Krajewski, damals Schüler der Musikoberschule Danzig, nicht unter ihrem richtigen Namen auftreten. Denn es war den Schülern verboten, Beatmusik zu spielen. Als ihre wahre Freizeitbeschäftigung bekannt wurde, flogen sie von der Schule. "Doch betrachteten wir das eher als eine interessante Episode denn als ein Hindernis in der Bandtätigkeit", so der Bandleader.
Von einer derart steilen Karriere konnten andere Bands nur träumen. Schon in den ersten Wochen kamen zu ihren täglichen Auftritten im Zoppot-Klub "Non-Stop" an der Ostseeküste jeweils 1000 Leute. Bald schon begannen Rundfunk und Fernsehen mit ersten Aufnahmen. Noch im Gründungsjahr kam die erste Single raus. Bereits 1966 erschien die erste LP, die mit einer Erstauflage von 160.000 Stück, in nur zwei Tagen produziert, ein Supererfolg wurde. Auch die folgenden Alben erschienen in Rekordauflagen und wurden durchweg vergoldet.
Die ersten Hits, dem deutschen Publikum weitgehend unbekannt, waren: "Bo ty sie boisz myszy" (Du hast Angst vor einer Maus), "Historia jednej znajomosci" (Die Geschichte einer Bekanntschaft) und "Matura" (Das Abitur). Ob es Angebote aus dem Westen gab?
"Aus dem westlichen Ausland, politisch gesehen, selten jedoch aus dem westlichen Ausland, geographisch gesehen, oft, hauptsächlich aus der DDR", erzählt Jerzy spaßig. Der Auslandserfolg ließ aber nicht lange auf sich warten. 1969 traten sie in Cannes (Frankreich) auf dem Midem-Festival am gleichen Tag wie die Beatles auf, wobei beide Bands die Midem-Trophäe überreicht bekamen, als Preis für die in ihrem Heimatland größte Anzahl an verkauften Platten. Noch im selben Jahr bekam die Band, ebenfalls in Cannes, einen Preis vom amerikanischen Magazin "Billboard". Ab 1970 gibt es einschneidende Veränderungen. Die Band verschwindet für lange Zeit von der polnischen Bühne. Krzysztof Klenczon geht in die USA und setzt seine Karriere als Musiker fort. 1981 stirbt er dort an den Folgen eines schweren Autounfalls. Die Roten Gitarren verlagern ihre Arbeit ins Ausland, insbesondere in die DDR: "Unsere Popularität war hier so groß, dass eigentlich alles der Arbeit in der DDR untergeordnet war." So erschienen in der DDR viele Alben und Songs auf Samplern in deutscher Sprache und wurden dort unzählige Konzerte gegeben. Bekannt wurden sie mit ihren Ohrwürmern "Anna Maria", der Story über das Mädchen mit den traurigen Augen, "Draußen bei den Weiden" oder "Weißes Boot". Anfang der 80er Jahre verschwanden sie von den DDR- Bühnen.
Es folgten viele Konzerte in den USA. 1990, das Jahr des Comebacks in Polen, fällt mit dem 25-jährigen Bestehen der Band zusammen und ist Anlass zu einer Mammut-Konzertreihe. Zunächst 36 Auftritte geplant, wurden es dann fast 500 Konzerte innerhalb von drei Jahren. Ein Rechtsstreit um den Namen der Band wirft jedoch vorübergehend einen Schatten auf die Gruppe. Serweryn Krajewski, der 1997 die Band verließ, wollte gerichtlich durchsetzen, dass der Name Czerwone Gitary nicht mehr benutzt werden darf. Der Antrag wurde vom Amtsgericht Warschau zurückgewiesen. 1999 kam das erste Album nach 24 Jahren raus, das sofort wieder vergoldet wurde. Zwei weitere folgten. Auffällig ist, dass das Charakteristische sowie die melodische Linie beibehalten wurden. Schließlich wählten die Leser der polnischen Wochenzeitung "Polityka" die Roten Gitarren 2000 zur besten Musikgruppe des 20. Jahrhunderts. 1m Mai 2004 traten sie aus Anlass des EU-Beitritts der zehn neuen Länder als einzige polnische Band auf einem Galakonzert in Dresden auf. Und es gab weitere Auftritte in Deutschland, aber auch in den USA. Sie spielten u.a. im November 2001 vor 14.000 Zuschauern in der Arena in Oberhausen, 2006 in Cottbus.
"Wir ruhen uns nicht aus", heißt der Titel eines Buches von Autor Marek Gaszynski, welches kürzlich in Polen erschien. Und genau nach diesem Motto planen Czerwone Gitary die Zukunft. Jerzy Skrzypczyk möchte in der nächsten Zeit eine Formation von jungen Musikern bilden, die unter dem Namen Czerwone Gitary das bisherige musikalische Schaffen kultivieren und somit die weitere Geschichte der Band fortschreiben. Das Patronat darüber wird die Firma Czerwone Gitary Group übernehmen. In den 42 Jahren hat sich die Besetzung mehrmals geändert. Heute besteht die Band aus drei Musikergenerationen. Von den Anfangsmitgliedern sind noch Jerzy Skrzypczyk, Jerzy Kossela und Henryk Zomerski dabei. Für die mittlere Generation steht Mietek Wadolowski, die jüngste bilden Arek Wisniewski und Marek Kisielinski. Wie fühlt man sich nach einer so langen Karriere? "Phantastisch", sagt der Bandleader. Das nächste Album ist in Vorbereitung und wird 2008 erscheinen.

Volker Voss

Die Roten Gitarren
bleiben ihren deutschen Fans treu

Voriges Jahr haben die Roten Gitarren / Czerwone Gitary nach 25 Jahren, womit eigentlich keiner mehr rechnete, wieder ein deutsches Album auf den Markt gebracht - und sind damit sehr erfolgreich.
RockInBerlin rief Jerzy Skrzypczyk, den Mitbegründer der Band 1965 Zuhause in Gdansk an, um noch mehr über ihre derzeitigen Planungen zu erfahren : "Wir sind gerade von einer Konzerttour aus Kanada zurückgekehrt, wo wir auch zwei Songs von dem deutschen Album gespielt haben", berichtete der Bandleader. An alte Traditionen anknüpfend, warteten sie auch gleich mit einem neuen Hit in deutscher Sprache auf: "Schwer verliebt und Herz verschenkt". Die Idee zu einem deutschen Album kam ursprünglich von dem Plattenlabel, das schließlich nachrecherchierte, ob sich das deutsche Publikum nach so langer Zeit denn überhaupt noch an sie erinnert. Das Ergebnis: die Roten Gitarren hat hier keiner vergessen und so wurde, wie in alten Zeiten, wieder für das hiesige Publikum komponiert: "Es ist ein reines deutsches Album, drei Songs davon werden auch auf dem nächsten polnischen Album erscheinen", so die Planungen. Alles weitere über die Roten Gitarren, ihre Geschichte als erste polnische Beatband in den 60ern und ihre Zukunftspläne wird ausführlich in der ersten Ausgabe unseres Magazins RockInBerlin zu lesen sein. (vov)
Auf dem Foto: Jerzy Skrzypczyk und Volker Vos (2009)

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